Forschungshefte als Instrument der selbstreflexiven fachlichen und fachdidaktischen Professionalisierung von Mathematiklehrerinnen und -lehrern


Pädagogische Hochschule Freiburg

Fakultät für Gesellschafts- und Naturwissenschaften

Institut für Mathematik, Informatik und ihre Didaktiken

Kunzenweg 21

79117 Freiburg

Projektleiter: Prof. Dr. Timo Leuders

Förderkennzeichen: 01 JH 0913

Laufzeit: 01.09.2009 – 31.10.2012


Im Lehramtsstudium sollen von den Studierenden pädagogische, fachdidaktische und fachbezogene Kompetenzen erworben werden. Die fachbezogenen Kompetenzen schließen auch das Wissenschaftsverständnis und Einstellungen (Beliefs) zur Mathematik ein. Im Zusammenhang mit einem eher statischen Mathematikbild bei Lehramtsstudierenden wird die Dominanz des rezeptiven Kalküllernens in der (später von ihnen gestalteten) Unterrichtspraxis gesehen. Ein Ausbildungsmodell, das dazu beiträgt, solche Diskrepanzen zu überwinden, sind reflexive Problemlöseseminare. Es stellt sich die Frage nach der optimalen Durchführung eines solchen Reflexionsseminars und dessen Wirkung auf die Kompetenzentwicklung bei Mathematikstudierenden sowohl auf fachlicher und fachdidaktischer Ebene als auch hinsichtlich der Einstellungen (Beliefs) zur Mathematik.

Im Rahmen des Forschungsvorhabens sollten daher folgende Fragen geklärt werden:
(1) Welche Wirkungen hat rein reflexives, durch Forschungshefte gestütztes Problemlösen auf die fachlich-reflexiven und fachdidaktischen Kompetenzen (Professionswissen, Überzeugungen, motivationale Orientierungen) der Teilnehmerinnen und Teilnehmer?
(2) Welches sind bei dieser Lernform entscheidende moderierende Variablen (Schulform, Selbstwirksamkeitsüberzeugungen, Abiturnote, Lernzielorientierung)?
(3) Welche Form und Intensität der Intervention (über die individuelle Arbeit an gestellten Problemen hinaus) optimieren die Wirkungen? Hierzu wurde die Wirkung auf Beliefs zur Mathematik und zum Mathematikunterricht durch Fragebögen in einem Pre-Post-Design erhoben. Als Moderatorvariablen wurden Skalen zur Lernzielorientierung eingesetzt. Über drei Phasen hinweg wurden verschiedene Designs jeweils mit Kontrollgruppe und mit variierter Experimentalgruppe getestet. Variiert wurden z. B. Kooperationsphasen und Kurzvorträge zum Problemlösen durch die Dozenten. Zusätzlich wurden die Problemlöseprozesse erfasst und ausgewertet.

 Durch die Teilnahme am Seminar zeigten sich signifikante Effekte bei der Einstellungsänderung hin zur Mathematik als Prozess und weg von einer reinen Anwendung von Kalkül und Algorithmen. Als Moderatorvariable, die die Veränderung voraussagt, spielte die Lernzielorientierung zusammen mit der Gesamtzeit, die sich die Studierenden mit den Problemen beschäftigten, eine Rolle. Allerdings wurde in einer Teilstudie deutlich, dass die Intervention eine gewisse Dauer über das Semester haben musste, um Effekte zu zeigen. Zu den Problemlöseprozessen konnten verschiedene Typen beschrieben werden, die einen unterschiedlichen Erfolg bei der Lösung vorwiesen. Das Seminarkonzept konnte so auf andere Standorte in der Grundschullehrerausbildung übertragen werden, das Projekt bot Ergebnisse und Erfahrungswerte zur wirksamen Umsetzung.

Weitere Informationen finden Sie unter:
https://www.ph-freiburg.de/de/mathe/forschung0/forschung-kernprojekte.html#format