Russische und polnische Herkunftssprache als Ressource im Schulunterricht?


Eine Bestandsaufnahme zur Rolle des familiären und schulischen Kontexts für die Nutzung von Herkunftssprachen durch Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund (Verbundvorhaben)

Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

Philosophische Fakultät

Institut für Slawistik

Domstr. 9/10

17489 Greifswald

Verbundkoordinator: Prof. Dr. Bernhard Brehmer

Förderkennzeichen: 01 JM 1302 A

Laufzeit: 01.10.2013 – 30.09.2016


Universität Leipzig

Philologische Fakultät

Institut für Slavistik

Beethovenstr. 15

04107 Leipzig

Projektleiterin: Prof. Dr. Grit Mehlhorn

Förderkennzeichen: 01 JM 1302 B

Laufzeit: 01.10.2013 – 30.09.2016


Gegenstand des Verbundvorhabens ist die Frage, in welchem Maße Schülerinnen und Schüler mit russischem oder polnischem Migrationshintergrund ihre vorhandenen sprachlichen Ressourcen in den Unterricht einbringen können und wie stark sie selbst, aber auch ihr familiäres und schulisches Umfeld sich dieses Potenzials bewusst sind. Insbesondere wird dabei untersucht, welchen Effekt der Besuch eines Unterrichts in Russisch/Polnisch auf das Wissen um diese Ressourcen und auf ihre Nutzung hat, und wie er die sprachliche Entwicklung der bilingualen Schülerinnen und Schüler beeinflusst.

Im Greifswalder Vorhaben steht dabei die Untersuchung der faktischen sprachlichen Entwicklung der untersuchten Probanden im Vordergrund, wobei auch der sprachliche Input in Herkunfts- und Umgebungssprache in den ausgewählten Familien untersucht werden soll. Zunächst soll erhoben werden, welche sprachlichen Kompetenzen in der Herkunftssprache und im Deutschen vorhanden sind. Dazu sollen 40 ausgewählte Schülerinnen und Schüler hinsichtlich ihrer Kenntnisse von Aussprache, Orthographie, Grammatik und Wortschatz, ihrer kommunikativen Fähigkeiten und ihrer tatsächlichen Sprachpräferenz in der informellen Kommunikation untersucht werden. Dadurch wird ein Sprachenprofil zu jedem Probanden erstellt, mit dem gruppentypische und individuelle Ausprägungen des Sprachstands erfasst werden können. Durch die Wiederholung der Sprachstandsmessungen nach einiger Zeit kann die längsschnittliche Entwicklung der multilingualen Fähigkeiten der Probanden analysiert werden.

Im Leipziger Vorhaben sollen Sprachaufnahmen und Interviews durchgeführt werden, die Aufschluss geben über die Sprachpraxis, Sprachlernbiographien, Spracheinstellungen und Spracherziehung in der Familie, das von den verschiedenen Akteuren wahrgenommene Potenzial der Herkunftssprache, die Einstellungen und Erwartungen der Beteiligten in Bezug auf den Herkunfts- beziehungsweise Fremdsprachenunterricht Russisch/Polnisch sowie das allgemeine schulische Umfeld der herkunftssprachlichen Schülerinnen und Schüler. Es werden Interviews mit den Kindern, ihren Eltern (gegebenenfalls Großeltern und Geschwistern) sowie den Akteuren aus dem schulischen Kontext durchgeführt. Außerdem werden die Deutsch-, Russisch-, Polnisch- sowie Fremdsprachen-Lehrenden der Schülerinnen und Schüler zu ihren Sichtweisen auf die sprachliche Entwicklung der Kinder, ihren persönlichen Einstellungen zur Nutzung des Potenzials aus den Herkunftssprachen für das eigene Fach sowie zu generellen Erfahrungen bei der Anwendung von Mehrsprachigkeitsdidaktik in der Unterrichtspraxis befragt. In beschränktem Umfang sollen auch Unterrichtshospitationen erfolgen, um einen besseren Einblick in das tatsächliche Unterrichtsgeschehen und die Berücksichtigung  der vorhandenen sprachlichen und kulturellen Potenziale der Lernenden zu erhalten.