Die Koordinierungsstelle ProPäda


Die wissenschaftliche Vernetzung der Forschenden zu fördern, die Ergebnisaufbereitung und die Öffentlichkeitsarbeit zu unterstützen und die Weiterentwicklung des gesamten Forschungsbereiches voranzutreiben – das sind nur wenige Aufgaben einer Koordinierungsstelle. Im Interview spricht Prof. Dr. Cornelia Gräsel, Leiterin der Koordinierungsstelle „Professionalisierung des pädagogischen Personals“, über die Herausforderungen und Chancen der Arbeit.

Was sind die zentralen Aufgaben der Koordinierungsstelle?
Das Besondere an ProPäda ist, dass zu der Zeit, als der Forschungsschwerpunkt eingerichtet
wurde, noch nicht viel zu diesem Thema geforscht wurde. Dementsprechend
wurden auch die Forscherinnen und Forscher in dieser Initiative neu zusammengebunden.
Es ist ein recht homogenes Thema, bei dem sich einheitliche Fragestellungen
und Lösungsansätze ergeben haben. Was man geschafft hat, war, alle wichtigen Forscherinnen
und Forscher aus Deutschland, die zu diesem Thema arbeiten, zusammenzubringen.
Deshalb war von Beginn an eine ganz wichtige Aufgabe der Koordinierungsstelle,
alle Beteiligten gut miteinander zu vernetzen. Wenn beispielsweise jemand etwas Spannendes
entwickelt hat, dann sollten die anderen das auch erfahren. Dieser Informationsaustausch
zwischen den Projekten war uns sehr wichtig, ebenso wie Kooperationsbemühungen
zwischen den Vorhaben, die sich vorher vielleicht noch gar nicht abgezeichnet haben.

Welche konkreten Maßnahmen wurden denn von der Koordinierungsstelle ergriffen?
Wir haben von Anfang an thematische Unterschwerpunkte eingerichtet und zu regelmäßigen
Treffen jenseits der großen Jahrestagung, die dazu dient, alle Fäden wieder
zusammenzuführen, eingeladen. Im Förderschwerpunkt gibt es viele Forscherinnen und Forscher,
die eine sehr grundlagenorientierte Sichtweise haben. Das ist wichtig und gut, daraus hat sich aber für
uns die Aufgabe ergeben, den Transfergedanken in die Praxis stärker mitzudenken
und zu überlegen, wie die Ergebnisse, die wir gemeinsam erarbeitet haben, nutzbar
gemacht werden können für die Praxis und wo es eventuell auch Grenzen gibt. Diese
Haltung muss man bei Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern erst einmal erzeugen.
Das haben wir beispielsweise dadurch gemacht, dass wir bei der Jahrestagung mal
einen Journalisten eingeladen haben, der uns etwas zur Pressearbeit erzählt hat.
Außerdem haben wir ganz gezielt zu unseren Tagungen Vertreterinnen und Vertreter aus der Praxis
eingeladen, insbesondere bei der Abschlusstagung. Zu naiv darf man da aber nicht rangehen,
es ergeben sich durchaus auch Spannungsfelder. Deshalb ist es besonders wichtig,
sich im Klaren über die Rollenverteilung zu sein und darüber, was Wissenschaft und Praxis leisten können und sollen.

Gab es auch gezielte Maßnahmen, um die Forschungsergebnisse in die internationale Community zu tragen?
Wir haben an vielen internationalen Tagungen teilgenommen und über die Forschungsaktivitäten im Förderschwerpunkt informiert. Wir haben besonders in den Workshops für den wissenschaftlichen Nachwuchs viel Wert auf Themen wie wissenschaftliches Publizieren und Präsentieren in englischer Sprache gelegt. Wir hatten das Glück, dass sich viele unserer Forscherinnen und Forscher stark international orientieren und dementsprechend die Zahl an fremdsprachigen Publikationen bei uns recht hoch ist. In erstklassigen Zeitschriften sind Beiträge zu den Ergebnissen aus ProPäda entstanden, und einige sind auch noch im Review. Das ist aber nicht unser Verdienst, da braucht man einfach engagierte Leute.

Mithilfe welcher Maßnahmen haben Sie den wissenschaftlichen Nachwuchs besonders gefördert?
Wir haben gezielt abgefragt, welche Themen für die Doktorandinnen und Doktoranden besonders interessant sind, und dementsprechend Workshops gestaltet. Das reichte von englischsprachigem Publizieren bis zum gezielten Austausch mit anderen Einrichtungen wie etwa dem Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung. Wichtig war uns, die Formate möglichst partizipativ zu gestalten, damit die Doktorandinnen und Doktoranden auch die Gelegenheit bekommen,
sich mit Themen zu beschäftigen, die für sie von besonderem Interesse sind.
Gerade im forschungsmethodischen Bereich sind die Bedingungen,
unter denen der Nachwuchs beginnt, sehr unterschiedlich. Wenn Sie Psychologie studieren,
dann haben Sie ganz andere forschungsmethodische Voraussetzungen als nach einem Lehramtsstudium.
Deshalb haben wir gern in Kleingruppen gearbeitet, die sich an verschiedenen Kenntnisgraden orientiert haben.

Wenn Sie auf die Entwicklung des Forschungsschwerpunkts zurückblicken, was sind Ihre Highlights?
Wir haben unglaubliche Fortschritte darin gemacht, wie man die Kompetenz von Lehrpersonen auf verschiedenen Ebenen misst – von der persönlichen Motivation bis zu den Fähigkeiten im Classroom Management. Da ist viel entstanden, das sowohl als Grundlage für weitere Forschung, aber auch für die konkrete Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern dienen kann. Ein zweiter Punkt ist,
dass wir gesehen haben, wie ernst man den Kompetenzbegriff nehmen muss.
Kompetenz ist mehr als Wissen. Ganz entscheidend ist auch die Motivation der Lehrpersonen,
und das spricht entschieden gegen die Verkürzung des Kompetenzbegriffs auf das reine Wissen. Hier haben wir mit einigen Projekten gezeigt, wie man diese motivationale Komponente in der Lehrerausbildung besser berücksichtigen kann.